Hallo, Forumsmitglieder,
ich möchte euch heute mal an einer Erfahrung teilhaben lassen, die sich, so unscheinbar sie zunächst erschien, zu einem großen Problem hätte auswachsen können. Kürzlich habe ich bei meinem 20 VT routinemäßig die Zündkerzen gewechselt. Alles kein Problem, wie es zunächst schien. Doch bei einer Fahrt nach Berlin und zurück - ca. 400 Kilometer von Leipzig aus - schien der Motor nicht die volle Durchzugskraft zu haben, ruckelte gelegentlich sogar. Insgesamt besserte sich aber die Situation auf der Rückfahrt, ich gab wieder richtig Gas und kam auch problemlos wieder in Leipzig an. Das leichte Leistungsminus blieb aber und ich beschloß, bei nächster Gelegenheit mal den LMM zu checken. Dieses nächste Mal kam vorgestern. Ich fuhr ca. 200 Kilometer von Leipzig in mein Wochenendhaus bei Spremberg, wo sich meine Schraubergarage befindet. Das Auto lief nicht schlecht, nur richtig hohe Geschwindigkeiten erreichte ich auch "mit Anlauf" nicht. Wieder dachte ich an den LMM, aber auch an mögliche Probleme mit dem Turbo, an eine schadhafte Zündspule oder, da die Symptome zeitnah nach dem Wechsel der Zündkerzen auftraten, an eine möglicherweise nicht richtig festgezogene Kerze. Die letzten 40 Kilometer vor dem Ziel bestehen aus Landstraße mit einigen Ampeln. Beim Warten an einer davon hörte ich einen Auspuffsound, der wenig mit dem eigentlich geschmeidigen Blubbern des 20 VT zu tun hatte. Daher dachte ich, daß er von einem anderen der wartenden Autos stammte. Beim Anfahren bei "Grün" wurde mir aber mit Schrecken klar, daß das ungute Geräusch von meinen eigenen Motor kam, der anscheinend nicht mehr auf allen Zylindern lief. Merkwürdigerweise lag die Drehzahl im Stand aber konstant bei ca. 800 U/min. Zuvor war mir gelegentlich aufgefallen, daß sie manchmal im Leerlauf ohne erkennbaren Grund zwischen 800 und 500 Touren schwankte. Wieder ein Indiz für ein Problem mit dem LMM? Kurzum, ich suchte einen Standplatz an der Landstraße und entfernte die Abdeckung der Zündspulen, den Kabelstrang mit allen daranhängenden 5 Spulen und sämtliche Kerzen. Bei der Kontrolle letzterer fiel mir auf, daß die des 5. Zylinders leicht feucht war, im Unterschied zu den anderen, die ein normales, gleichmäßiges Brennbild zeigten. Beim Leuchten in die einzelnen Zylinder zeigte sich, daß der Kolben des 5. Zylinders ebenfalls feucht wirkte, nicht wirklich naß, aber eben feucht. Nun sah ich mir das Auspuff-Endrohr an. Während es bei Antritt der Fahrt noch eher braun/schwarz aussah, wand sich jetzt ein ziemlich breiter hellgrauer, fast weißer Streifen aus dem Rohr - ein Zeichen, für eine partiell sehr heiße Verbrennung. Jetzt kontrollierte ich die Zündspulen genauer und entdeckte etwas, das mir vorher beim Ausbau völlig entgangen war. Da das Kabel zur Spule von Zylinder 5, das ganz rechts am Kabelstrang sitzt, das kürzeste ist und beim Herausziehen des Kerzensteckers aus dem Schacht kaum lang genug ist, dieses zu bewerkstelligen, ohne hart daran zu ziehen, hatte ich es beim Einbau der neuen Kerzen vom Kerzenstecker abgezogen, um den Kabelstrang zu schonen. Zur Fixierung auf der Spule hat er - wie alle vier anderen auch - ein Metallklammer, die ein Abrutschen des Steckers verhindert. Diese unscheinbare Klammer, die mit ihren beiden unteren Enden in die Nut des Steckers einrastet, war nur einseitig eingerastet, die andere Seite nicht, so daß der Stecker nicht richtig fixiert wurde, und sich während der Fahrt ein ganz klein wenig - je nach Erschütterung - auf und ab bewegen konnte. Damit hatte/hatten vermutlich ein oder auch zwei der drei Steckerkontakte einmal Kontakt zur Zündspule, ein anderes Mal wohl nicht. Ich drückte das lose Ende der Klammer wieder in seine Nut und baute alles unter Verwendung von WD40 wieder zusammen. - Was soll ich euch sagen? Das Auto fuhr wieder, wie ein 20 VT es soll, keine Beschleunigungsschwäche mehr, kein Ruckeln, kein Leerlaufsägen, und der Auspuff zeigt keine Anzeichen einer zu heißen Verbrennung mehr. Immerhin dürfte dem Kat der unverbrannte Sprit, den er verdauen mußte, kaum gut getan haben und ein Zylinder, der mal zündet, das andere Mal nicht, ist auch nicht ideal. Bisher konnte ich zum Glück keine negativen Auswirkungen feststellen. Das Auto fährt - wie gesagt - so, wie ich es kenne. Dennoch ist als nächstes der LMM zur Kontrolle und evtl. zur Reinigung dran. Kann wohl auch nichts schaden bei inzwischen fast 232.000 Kilometern auf der Uhr.
Grüsse an alle,
Micha